Handaufzucht von Katzenkindern

Es gibt viele Gründe warum es passieren kann, dass man kleine Kätzchen mit der Flasche groß ziehen muss. Manchen Katzenmütter haben aus irgend welchen Gründen keine oder zuwenig Milch. Es kann auch vorkommen, dass sich das Gesäuge entzündet oder die Mutter stirbt bei der Geburt oder wird von einem Auto überfahren. 

 Was ist zu tun?

Als erstes sollte man nicht in Panik geraten. In der Ruhe liegt die Kraft! Die Katzen-Kinder brauchen vor allem Wärme, in Form von einem Heizkissen, dass auf keinen Fall zu heiß sein darf (Temperatur prüfen) und eine Wärmelampe, damit sie nicht auskühlen. Trotzdem sollte der Raum gut gelüftet sein. Es darf nur kein Zug an das Katzen-Körbchen gelangen.

 Die ersten Stunden überleben die Kitten normalerweise auch ohne irgendwelche menschliche Hilfe. Möglicherweise tritt doch noch ein Milchfluss bei der Katzenmama ein. Ein bißchen Geduld lohnt sich manchmal. Würde man nämlich zu früh einschreiten, wären die Kleinen bereits satt, wenn die Mutterkatze wieder auf den Beinen ist und würden sich nicht für die Zitzen interessieren. Leider handelt es sich hierbei um eine Gradwanderung: nicht zu früh und nicht zu spät eingreifen!

 Auf jeden Fall müssen die Kitten regelmäßig gewogen werden, damit man sehen kann ob sie genügend Milch bekommen.  Selbst wenn die Mutterkatze säugt, kann es vorkommen, dass die Kleinen zu wenig Milch bekommen, weil entweder der Wurf sehr groß ist oder die Katze einfach zuwenig Milch produziert. In diesem Fall kann man dann auch für eine gewissen Zeit zufüttern.  

 Was benötige ich alles?

Als erstes benötigt man die richtigen Flaschen, die es im Zoogeschäft gibt. Sauger und ein nicht klumpendes Milchaustauschfutter, Desinfektionsspray, saubere Handtücher und kleine Tücher um das Kätzchen sauber zu machen und einen Topf um die Fläschchen auszukochen. Eine Küchenwaage sollte auch nicht fehlen.

Die Milch wird mit abgekochtem Mineralwasser (ohne Kohlensäure) angerührt. Neugeborene Kitten benötigen durchschnittlich die Menge an Milch, die einem Teilstrich des Fläschchens (ungefähr ein Milimeter) entspricht. Natürlich hängt das auch vom individuellen Bedürfnis des Kittens ab. Man sollte ein Kitten auf keinen Fall zwingen mehr zu trinken. Es könnte sich verschlucken. Allerdings muss ich aus Erfahrung sagen, dass, wenn ein Kitten viel zu wenig trinkt, ein klein wenig Zwang ganz hilfreich sein kann. Allerdings darf das Kätzchen nie auf den Rücken gelegt werden oder zuviel Milch auf einmal ins Mäulchen gelangen. Verlangt es jedoch nach mehr, dann sollte man diesem Bedürfnis nachkommen.

Der Sauger wird mit einer kleinen Nagelschere gelocht. Am besten zusammendrücken und dann eine sehr kleine Öffnung hinein schneiden bzw. die Schere einmal herum drehen. Eine heiße Nadel eignet sich nicht gut zum Lochen des Saugers. 

Die Fütterung

Die Fütterung muss anfangs alles zwei Stunden erfolgen (auch nachts) und kann mit der Zeit (nach zwei bis drei Wochen) gedehnt werden.

 1. Lebenswoche:
alle 2 Stunden, zwischen 2 und 6 Milliliter pro Mahlzeit
(auch nachts)
2. Lebenswoche:
alle 2-3 Stunden, zwischen 5 und 10 Milliliter pro Mahlzeit
(nachts alle 3-4 Stunden)
3. und 4. Lebenswoche:
alle 3-4 Stunden, ca. 8 bis 15 Milliliter pro Mahlzeit
(nachts alle 4-5 Stunden)
5. und 6. Lebenswoche:
alle 4 Stunden, ca. 15-20 Milliliter pro Mahlzeit
(nachts nur mehr, wenn notwendig)

 Man legt sich ein Tuch auf die Knie (kein Frottee, da die kleinen Krallen sonst dran hängen bleiben), desinfiziert sich die Hände und nimmt das Kitten auf den Schoß. Es darf auf keinen Fall auf den Rücken gelegt werden. Am besten sollte es sitzen und der Rücken dem Menschen zugewandt sein. Den Sauger vorsichtig ins Mäulchen schieben und in eine frontale Position bringen. Das Kätzchen trinkt normalerweise von selbst.

Manchmal erfordert es etwas Geduld bis die Kleinen das Trinken beherrschen. Es kommt auch vor, dass man etwas nachhelfen muss bzw. leicht auf den Sauger drücken. Evtl. akzeptiert das Kätzchen auch eher eine kleine Einmalspritze anstatt dem Sauger.

Am Ende der Fütterung muss alles gründlich desinfiziert und ausgekocht werden, da die Kitten noch keine Abwehrstoffe haben.   

Nach der Fütterung

Jetzt wird das Katzenkind auf den Rücken gelegt um das Bäuchlein zu massieren. Entweder mit der Hand oder mit einem weichen Tuch. Der Grund ist, dass ein Neugeborenes noch nicht selbständig Urin und Kot ablassen kann. Durch die Massage wird die Verdauung angeregt. Man sollte so lange massieren, bis das Kätzchen zumindest Urin absetzt. Durch die Handaufzucht neigen die Kleinen zu schildkrötenartigen Bäuchen, was in diesem Fall jedoch normal ist. Also bitte nicht erschrecken, wenn die Kitten riesige Bäuchlein vor sich herschieben ;o) 

Komplikationen

Nicht selten kommt es zu Verdauungsbeschwerden: Verstopfung, Durchfall oder Blähungen. Wobei man dies nicht unbedingt als harmlos einstufen sollte, da das für die Kätzchen nicht ungefährlich sein kann. Ich selbst habe auch ein Kitten dadurch verloren, das  sogar schon fünf Wochen alt war. Zur Vorbeugung gibt man am besten das Milchpulver in Fencheltee oder verabreicht ihn pur zwischen den Malzeiten. Verschlucken von Milch ist die gefährlichste Variante der Komplikationen. Dadurch kann die Milch in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung hervorrufen. Man sollte sofort zum Tierarzt gehen, der ein Antibiotikum verabreichen kann.  Außerdem gibt es auch noch eine Methode, die Kätzchen auszuschütteln, wenn es sich verschluckt hat. Das lässt man sich aber am besten vom Tierarzt zeigen.  

 Geschafft!

Normalerweise beginnen die Kätzchen im Alter von fünf Wochen selbständig zu fressen. Allerdings kann es bei Handaufzuchten etwas länger dauern, da die Kleinen doch ziemlich verwöhnt und faul sind ;o). Zum Anfüttern empfiehlt sich pürriertes Huhn aus Babygläschen, das anfangs unter die Milch gemischt wird. Menge immer etwas steigern und irgendwann im Schüsselchen anbieten. Das wird nicht sofort funktionieren und die Kätzchen werden mehr mit den Füßchen durch die Futterschüssel laufen als dass sie fressen, aber es kann sehr hilfreich sein, sie ab und zu mit dem Näschen hineinzustupsen. Mit der Zeit akzeptieren sie das Futter und benötigen immer weniger Milch, die anfangs trotzdem noch zugefüttert werden sollte. Sobald im Schüsselchen gefüttert wird, muss man auch ein Schälchen Wasser dazu stellen. Niemals darf man den Kätzchen Kuhmilch geben! 

Ist diese Stufe erreicht, hat man es auch schon geschafft!

Manche handaufgezogenen Katzen verhalten sich dann später allerdings etwas merkwürdig - grins

 

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